Alles, was ich am Strand gefunden habe
Am walisischen Strand liegt der grausam verstümmelte Leichnam eines Mannes. Und es wird schnell klar, dass es sich um einen polnischen Schlachthofarbeiter handeln muss, der sich um seiner kleinen Familie willen als Drogenkurier verdingt hatte. Gefunden
wurde er, bevor die Polizei ihn entdeckt, von einem englischen Fischer, der seinerseits in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, und der deshalb die Drogen, die er bei dem Toten findet, an sich nimmt. Auch er begreift dies, ebenso wie der polnische Immigrant, als die unverhoffte Chance, mit einem Schlag seinem und damit dem Schicksal seiner Familie eine entscheidende Wende zu geben. Die immer verhängnisvollere Verstrickung dieser beiden, ihre Gewissensnöte und ihr Schwanken zwischen Gier und Angst werden von dem 1975 geborenen walisischen Schriftsteller sehr effektvoll in einer alternierenden Parallelhandlung erzählt, bis hin zum beinahe unausweichlich erscheinenden gewaltsamen Tod beider. Obwohl also am tragischen Ausgang für den Leser kaum ein Zweifel bestehen kann, entsteht ein enormer Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die Zwiespältigkeit der Gefühle und das tragische Ende spiegeln sich in packenden Naturschilderungen auf beeindruckende Weise. Ein großartiger, mehrfach preisgekrönter Erzähler! (Übers.: Peter Torberg)
Alles, was ich am Strand gefunden habe
Cynan Jones
Liebeskind (2017)
236 S.
fest geb.