Anderswelt
Hans Demmel wagt das Experiment und einen Selbstversuch, ein knappes halbes Jahr nur "rechte" Medien zu konsumieren und darüber Tagebuch zu schreiben. Sein Freund Friedrich Küppersbusch hat die Aufgabe, zu beobachten, wie sich seine Wahrnehmung verändert.
Ein besonderes Augenmerk legt er auf bekannte Titel und Namen wie "Tichys Einblick", "MNews" von Michael Mross, "KenFM", "Compact" und "Junge Freiheit", die der angeblichen "Lügenpresse" gegenüberstehen und selbst die Wahrheit für sich reklamieren. Thematisch geht es um Corona-Demos, Behauptungen von "Querdenkern", Erstürmung des Reichstags, aber auch um Flüchtlinge, Migranten, "Überbevölkerung", Präsidentenwahl und Rassenunruhen in den USA. Zu all dem gibt es Faktenchecks. Demmel schildert seinen eigenen Tag nach der Lektüre von Hass, Hetze und Beleidigungen als manchmal depressiv, ängstlich, gruselig, widerwillig. Zwei persönliche Erkenntnisse des Autors: Sein Misstrauen gegen die Mainstream-Medien ist zwar gewachsen, aber sein "professionelles Gespür für Plausibilität oder besser Nicht-Plausibilität" hat ihm geholfen. Fazit: Für all diejenigen lesenswert, die wissen wollen, wie alternative Medien zum Teil fremdenfeindliche und antidemokratische Gedanken verbreiten und wie man mit Fakten-Checks dagegen ankommt.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Anderswelt
Hans Demmel
Verlag Antje Kunstmann (2021)
222 Seiten
fest geb.