Das Marillenmädchen
1934 kommt Elisabetta Shapiro in Wien zur Welt. Der Vater ein angesehener Arzt, die Mutter eine bejubelte Sängerin, die beiden älteren Schwestern Judith und Rahel auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich
beginnt für die jüdische Familie eine bedrückende Zeit. Bis 1944 leben sie in ihrem Haus zusammen, dann folgen Deportation und die Ermordung. Die überlebende Elisabetta kehrt ins Familienhaus zurück, ihr Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist der Marillenbaum im Garten. Ganz der mütterlichen Tradition verhaftet, kocht sie im Sommer aus den Aprikosen Marmelade. Und immer wenn sie ein Glas öffnet, erinnert sich die alte Frau an die Ereignisse der vergangenen Jahre. Das Stück spielt auf mehreren Ebenen, die sich dem Zuhörer jedoch erst langsam erschließen. Die Namensgleichheit von Elisabettas Schwester und ihrer Enkelin verwischt die Zeitlinien. Die Beziehung der deutschen Tänzerin Pola zu Elisabettas Enkeltochter Rahel und deren Schicksal durch Polas Freunde wirkt etwas zu schicksalhaft, ist vor den Ereignissen der Gegenwart jedoch sehr realistisch. Die Sprecherin Hemma Michel spricht sehr klar und deutlich, differenziert jedoch leider zwischen den unterschiedlichen Ebenen einfach zu wenig. Damit können die einzelnen Handlungsstränge zumindest am Anfang nicht immer klar erkannt werden. Das Stück ist ob seiner Aktualität jedoch vor allem Büchereien mit etwas größeren Beständen zu empfehlen.
Leoni Heister
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Marillenmädchen
Beate Teresa Hanika. Sprecherin: Hemma Michel
audio media (2016)
5 CD (ca. 377 Min.)
CD