Liebe schaut weg
In dieser Bilderzählung erzählt die Verfasserin, eine in Bonn aufgewachsene Tochter einer Amerikanerin und eines Deutschen, in großen Schritten ihre eigene Familiengeschichte über drei Generationen hinweg. Die Eltern Reinhard und Charlotte lernten
sich kennen und lieben, als die Mutter 1968 als Austauschschülerin nach Deutschland kam. Eine Reise, der Charlottes Vater Harold sehr skeptisch gegenüberstand, da er im Zweiten Weltkrieg nur allzu gern gegen die Nazis gekämpft hätte, während Reinhards Vater keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er mit Eifer Mitglied der Hitlerjugend war. Zeichnerisch sind die Abbildungen aufwändig aus schwarzem Schabkarton gekratzt und werden durch einige Erinnerungsstücke aus Familienbesitz ergänzt; die Dialoge der Sprechblasen sind teils in deutscher und teils in englischer Sprache verfasst. Diese Graphic Memoir entstand bereits 2007 als Abschlussarbeit an einer Hamburger Hochschule, wurde bei der Erstveröffentlichung auch mit einem Comicpreis ausgezeichnet und in den Folgejahren in mehrere Sprachen übersetzt. Nun gibt der Reprodukt-Verlag nach mehr als einem Jahrzehnt die sicherlich zeitlose Erzählung noch einmal, ergänzt um einige Erinnerungsseiten an die inzwischen verstorbenen Großeltern der Autorin, heraus. Empfehlenswert für Bibliotheken, die Wert auf künstlerisch und inhaltlich hochwertige Bilderzählungen für ein erwachsenes Lesepublikum legen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Liebe schaut weg
Line Hoven
Reprodukt (2021)
[unpaginiert]
fest geb.