Amalia
Amalias Ansprüche an sich sind hoch: sie will die perfekte Hausfrau und Mutter sein und die perfekte Angestellte. Doch je mehr sie verbissen ihre Ziele verfolgt, desto weiter scheinen sich diese zu entfernen. Ihr Haushalt versinkt im Chaos und ihre
Kinder verweigern sich ihren Befehlen. An ihrer Arbeit bricht sie zusammen. Sie arbeitet für eine Firma, die Pflanzenschutzmittel herstellt. Ihr Mann arbeitet in einer Bäckerei, in der damit behandelter Weizen verarbeitet wird. Und auch da zählt nur Perfektion. Der Weizen muss schädlingsfrei wachsen, aus dem Weizenmehl muss in kürzester Zeit ein Brot entstehen. Amalia erkennt, dass sie ihr Leben ändern muss, und verordnet sich und ihrer Familie Urlaub in einem Tiny House in unberührter Natur. Dort entdecken alle zunächst unfreiwillig die echten Werte des Lebens, genießen unverfälschte Nahrungsmittel und erkennen: „Damit das Leben besser wird, genügt es manchmal, ihm Zeit zu lassen.“ Es steckt viel Kritik am Machbarkeitswahn der Technologie-Gesellschaft in der Geschichte. Parallel dazu gibt die Autorin Hinweise auf absurdes Anspruchsdenken an Frauen, die wie selbstverständlich perfekt als Hausfrau, Mutter und Arbeitnehmerin funktionieren sollen. Witzig und mit subtilem Feminismus sind die chaotischen Alltagsszenen gezeichnet und zeigen, wie das verbissene Streben nach Perfektion gerade diese verhindert – sowohl in der Familie als auch in der Umwelt.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Amalia
Aude Picault ; aus dem Französischen von Lilian Pithan
Reprodukt (2023)
145 Seiten : farbig
fest geb.