Deep me
Der französische Comickünstler Marc-Antoine Mathieu ist für seine experimentelle Comickunst bekannt. Sein neuestes Werk fällt schon äußerlich durch einen tiefschwarzen Einband und Blattschnitt auf, von dem sich Titel und hinterer Klappentext
kaum abheben. Auch die überwiegende Anzahl der Seiten ist bildlos schwarz und in den Panels finden sich lediglich Gedanken des Protagonisten Adam und Dialoge von Personen, die sich offenbar in seiner Nähe befinden. Denn als Adam zu Bewusstsein kommt, ist er von tiefer Schwärze umgeben. In seinen Wachphasen hört er Stimmen und versucht sich mitzuteilen, ohne dass seine Umgebung auf ihn reagiert. Auch ist er bemüht, sich zu erinnern, wie er in seinen jetzigen Zustand geraten ist. Wer allerdings glaubt, Adam sei ein Wachkomapatient, der gedanklich ein Schockerlebnis verarbeiten und in das Leben zurückfinden will, wird im zweiten Teil der Erzählung eines Besseren belehrt. Diese ambitionierte, die Grenzen einer herkömmlichen Bilderzählung überschreitende Graphic Novel verbindet avantgardistisch und auf meisterhafte Weise künstlerische Gestaltung und Inhalt miteinander. Doch diese hervorragende Leistung wird sich wohl nur einem kleinen Kreis der Lesenden erschließen; alle anderen werden mit diesem Titel kaum etwas anfangen können. Daher sollten allenfalls große Büchereien eine Anschaffung erwägen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Deep me
Marc-Antoine Mathieu ; aus dem Französischen von Hanna Reininger
Reprodukt (2023)
[unpaginiert]
fest geb.