Kaleidoskop
Diese Geschöpfe sind nicht von unserer Welt: es sind Wesen zwischen Mensch und Tier, zwischen Pilz und Pflanze, die in Urwäldern, auf Steinen, zwischen Sternen oder in Höhlen leben. Wenn sie sich treffen, sind sie friedlich, und was sie sich zu
sagen haben, lässt sich in den Sprechblasen als Wispern lesen. Geschichten in klassischem Sinn werden keine erzählt, vielmehr entwickeln sich Szenen, die sich mitunter über viele Seiten erstrecken; sie scheinen wie Ausschnitte einer unabgeschlossenen, ewigen Welt. Die Zeichnerin dieser Graphic Novel schöpft aus vielen Genres: es finden sich Anleihen aus Mangas oder aus der Ästhetik von Fantasy-Computerspielen. In diesem Sammelband werden Comic-Beiträge aus fast 20 Jahren versammelt, tatsächlich also ein "Kaleidoskop" an Entwürfen zu einer anderen Welt als der unseren. Dazu passen dann auch die Straßenszenen aus Kreuzberg (der einzig reale Ort dieser Sammlung), in denen Migration und Gentrifizierung thematisiert werden. Beeindruckender sind jedoch die großen, detailverliebten Landschaftsbilder. Hier gelten eigene Naturgesetze, die allein der Traumlogik unterworfen sind. Wer sich auf diese Bilder einlässt, wird nicht nur mit ästhetischem Genuss belohnt, sondern auch mit der Erkenntnis, welche Fantastik doch in einem schlummert.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Kaleidoskop
Moki
Reprodukt (2023)
[unpaginiert] : teilweise farbig
fest geb.