Die Straße
Nach einem katastrophalen Ereignis bewegen sich ein Vater und sein Sohn in Richtung Süden, wo sie sich bessere Lebensbedingungen erhoffen. Sie leiden unter Hunger und Kälte, zudem befürchten sie, Opfer marodierender Gruppen zu werden. Die beiden
sind einander Garant für ihr Überleben. Als der Vater seiner Lungenerkrankung erliegt, schließt sich der Sohn einer Familie an. Der preisgekrönte Roman McCarthys ist 2006 erschienen und hat ein großes, vielstimmiges Echo erfahren. Zwei Menschen, die versuchen, in einer post-apokalyptischen Welt humane, moralische Werte zu bewahren – dies liest sich wie ein Modellversuch von existentiellem Gewicht. Die titelgebende Straße kann als Weg gelesen werden, ihre Menschlichkeit zu verteidigen in einer Welt, in der jeder Fremde zunächst als Feind gesehen werden muss. Während der Roman die Dystopie im inneren Auge der Leser:innen entstehen lässt, setzt die hier vorliegende Graphic Novel auf die Ausmalung der Schockmomente. Tote und Verstümmelte, die Zerstörung der Städte und Industrie, die unbarmherzige winterliche Landschaft, die Unbehaustheit und Ausweglosigkeit, all die inneren und äußeren Verwüstungen werden in allen Details wiedergegeben. Ob in der Totale oder in Nahaufnahme – der Schrecken steckt in jedem Panel und lässt den Leser:innen wenig Raum für Imagination. Dem Roman ist der Vorwurf gemacht worden, mit Versatzstücken des Horror-Genres zu arbeiten. Wie wir sehen, trifft dies mehr noch für die Illustrierung zu, die zwar den existentiellen Fragen nicht ausweicht, aber in der Monströsität der Katastrophen-Szenarien sehr erschöpfend wirkt.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Straße
Manu Larcenet ; nach dem Roman von Cormac McCarthy ; aus dem Französischen von Maria Berthold und [einer weiteren]
Reprodukt (2024)
155 Seiten : farbig
fest geb.