Ginsengwurzeln
Mit seinen beiden Geschwistern musste Zeichner Craig Thompson bereits als Kind beim Ernten von Ginseng-Wurzeln harte Arbeit auf den Feldern im ländlichen Wisconsin leisten. Bis zum Zusammenbruch entstand dort eine ganze Industrie um die exotische
Heilpflanze. Rund um die Autoimmunerkrankung seiner Hände und seine Rückkehr zum Elternhaus begab sich Craig, teils mit Bruder Phil, auf die Spuren von Gewinnung, Handel und Wirkung von Ginseng. Dabei interviewte er nicht nur befreundete Farmer, sondern reiste zu internationalen Ginseng-Festivals und befragte Betriebe in China. Mit grafisch unterschiedlichen Stilen zwischen Funny und Realismus, mit Ginseng-Wurzeln als Cartoon-ähnlichen Begleitern und popkulturellen Verweisen verknüpft der Künstler verschiedene Aspekte zwischen Sachcomic, Reisebericht und Autobiografie. Ursprünglich erschien der Band in 12 Heften mit einer Länge von 30-40 Seiten. Kurzweilig, aber sehr detailreich, schneidet Thompson Aspekte wie die Ausbeutung asiatischer Arbeiter in Amerika, die Unterdrückung der indigenen Hmong-Völker in China, asiatische Kultur und Glauben, Abnabelung von seinem christlich-fundamentalen Elternhaus und die eigene Karriere zwischen dem Erfolg von „Blankets“ (BP 06/202) bis zum gefloppten Kindercomic „Weltraumkrümel“ (BP/mp 16/254) an. Die vielschichtige, in roten Farben gehaltene Graphic Novel lebt zudem von Thompsons grafischem Können, mehrere Panels in einfallsreichem Seitenlayout zu verknüpfen. Der empfehlenswerte Band gelangte 2024 auf zahlreiche Bestenlisten.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Ginsengwurzeln
Craig Thompson ; aus dem Amerikanischen von Matthias Wieland
Reprodukt (2024)
447 Seiten : farbig
fest geb.