Der Abgrund des Vergessens
Die Begegnung mit der Tochter eines nach Ende des spanischen Bürgerkriegs hingerichteten Bauers initiierte Autor Rodrigo Terrasa zu einer Graphic Novel über die Opfer der franquinistischen Säuberungsaktionen. Mit Zeichner Paco Roca rekonstruierte
er ausgehend von den Ausgrabungen der Massengräber Anfang der 2010er-Jahre mehrere Schicksale. Neben der 81-jährigen Pepica Celda und ihren unermüdlichen Bemühungen, die Gebeine ihres anonym verscharrten Vaters aufzufinden, stehen ihr verhafteter und unschuldig hingerichteter Vater Pepe, ein einst selbst zum Tode verurteilter, hilfreicher republikanischer Leichenbestatter und die Ausgrabungscrew im Mittelpunkt. Mit teils abstrakten Exkursionen, etwa in die Antike, und Hintergrundinformationen zur spanischen Geschichte würdigt der in klarer Grafik gehaltene Querformatband die Opfer der Franco-Diktatur. Roca und Terrasa plädieren für eine oft unbequeme Aufarbeitung der Gräueltaten, um den Hinterbliebenen einen Ort der Trauer zu geben. Dabei dominiert die humanistische Botschaft der Versöhnung. Ein Anhang informiert über die Entstehungsgeschichte des vielschichtigen, lesenswerten Bandes. Empfehlenswert für größere Bestände.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Abgrund des Vergessens
Szenario: Paco Roca und Rodrigo Terrasa ; Zeichnungen: Paco Roca ; aus dem Spanischen von André Höchemer
Reprodukt (2025)
295 Seiten : farbig
fest geb.