Die Kluft
Kurz vor ihrem Highschool-Abschluss beschließen Olli, Milo und Alvin, ihre Familien und die Schule zu verlassen. Seit Olli von der Kommune "The Evergreen" erfahren hat, die autonom auf einer Insel lebt, hat sie dieses Ziel vor Augen. Der Konflikt
mit einem alten Freund macht ihr den Abschied leicht, zudem will sie dem Erwartungsdruck von Lehrern und ihrer Mutter entgehen. Doch die Suche nach der Kommune ist schwieriger, als erwartet, und die Freundschaft zu ihren Weggenossen wird brüchig. Diese Graphic Novel behandelt ein Thema, das jeder Generation aufs Neue aktuell erscheint: es ist eine Coming-of-Age-Story, in der das Vertraute verlassen wird, um zu neuen, unbekannten Ufern aufzubrechen. Genervt und überfordert von den Zumutungen des Lebens entlädt sich Ollis Überdruss in "Systemkritik". Das allein ist nicht ungewöhnlich in dieser Situation, doch Ollis Umgang mit den Krisen und Konflikten wird hier wenig glaubwürdig geschildert. Diese Hauptfigur verhält sich so kindisch und uncharmant, dass man sich fragt, wie sie Freunde finden konnte. Überhaupt walzt die Geschichte diesen problematischen Charakter breit aus, ohne dass die Dramaturgie interessante Dynamiken oder Entwicklungen vorantreibt. Im Gegenteil: zu weitschweifig wird erzählt und auch zeichnerisch werden keine spannenden Akzente gesetzt. Allein schon die reduzierte Strichführung der Figuren vermeidet jede Charakterisierung. Von den fortwährenden Possen eines so naiven wie aufbrausenden Teenagers zu lesen, ohne von gewichtigen Hintergründen zu erfahren, macht diese Lektüre wohl für keine Altersgruppe zum erfreulichen Erlebnis.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Kluft
Adam de Souza ; aus dem Englischen von Henriette Zeltner-Shane
Reprodukt (2025)
231 Seiten : farbig
kt.