Elch
Joe ist das klassische Mobbing-Opfer: Er wird von Jason, einem Mitschüler, erniedrigt und physisch wie psychisch gequält. Joe versucht, die Begegnungen mit Jason zu vermeiden, was weder im Schulbus noch im Klassenzimmer gelingt. Er vertraut sich
auch niemandem an, obwohl einige Menschen aus seinem Umfeld ahnen, dass er großen Belastungen ausgesetzt ist. Eines Tages kreuzt ein Elch seinen Weg. Dieser attackiert Jason schwer, doch Joes Probleme sind dadurch nicht verschwunden, im Gegenteil. Die vermeintliche Lösung bringt den Jungen in einen noch schwereren Konflikt. Es ist ein großes, gewichtiges Thema, das in dieser Graphic Novel aufgegriffen wird. Bemerkenswert ist, dass der Zeichenstil, die Ligne Claire, in der Tradition des Comics mit eher unbeschwerter, ja fröhlicher Stimmung verbunden ist. Dieser Stil steht hier der Problematik entgegen, fördert aber bei den Leser:innen eine Öffnung und Akzeptanz für das Thema. Zudem wird im Verlauf der Geschichte erkennbar, dass sich das Täter-Opfer-Schema aufbrechen und sogar umkehren lässt, was den Konflikt noch verschärft. Das Auftauchen des Elchs bringt zudem eine mystische Komponente ins Spiel, die Joe (und den Leser:innen) jedoch völlig plausibel erscheint. Dieses Buch ist bestens geeignet, mit Kindern und Jugendlichen dieses Themen-Spektrum zu besprechen. Die Verweigerung der Opferrolle, Hierarchien in Gruppen, Mitläufertum, das Nicht-sehen-wollen von Missbrauch – dieses Bündel an gesellschaftlichen Problemfeldern geht uns alle an. Mit dieser Story werden wichtige Impulse gesetzt, zur Selbstreflexion und zum Austausch.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Elch
Max de Radiguès ; aus dem Französischen von Silv Bannenberg
Reprodukt (2025)
152 Seiten : farbig
fest geb.