Kaputt
Alison Bechdel analysiert in ihrem autofiktionalen Werk (selbst-)kritisch die Lebensweise der Babyboomer. Die Überschriften der 12 Kapitel spielen teilweise auf Karl Marx' Sichtweise der Kapitalgesellschaft an. Die Comicfigur Alison denkt in seiner
Tradition, ist andererseits aber im Netz des Kapitalismus gefangen. Ihre ständige Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und ihrer Auffassung, dass die Menschheit am "seidenen Faden" hängt, lähmen sie auch in ihrer Kreativität als Autorin. Ihr Anspruch an ihr eigenes Konsumverhalten und das ihrer Mitmenschen deckt sich nicht mit der Wirklichkeit. Sie möchte authentisch und ehrlich bleiben, ist andererseits aber bereit, sich und ihre Werke um des schnöden Mammons und finanzieller Absicherung willen zu verkaufen. Ein satirischer Blick auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation Amerikas in einem LSBT*Q- Umfeld. – Das Cover, obwohl in Pop-Art-Manier aufgemacht, wirkt etwas altbacken, wohingegen die Illustrationen ansprechend sind. Ein witzig geschriebener zeitkritischer Comic, der jedoch kein allzu breites Publikum finden wird. Daher eingeschränkt in größeren Büchereien einsetzbar.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Kaputt
Alison Bechdel ; aus dem Englischen von Katharina Erben
Reprodukt (2026)
255 Seiten : farbig
fest geb.