Ich will nicht arbeiten
Fünf Personen haben sich im "Bundesbüro für Beruf" zu einem Coaching für Arbeitssuchende angemeldet. Begleitet wird das Projekt durch eine Live-Übertragung der Interviews und der Gruppenworkshops. Das Scheitern der Teilnehmer:innen auf dem Arbeitsmarkt
hat unterschiedliche Gründe, doch allein Edith spricht es aus: sie will einfach nicht arbeiten. Diese Graphic Novel lässt sich als Persiflage lesen auf die gesellschaftlich erwartete (hohe) Arbeitsmoral, auf die Bürokratisierung und nicht zuletzt auf den Trend zur Selbstdarstellung in den sozialen Medien. Die Geschichte ist stringent durcherzählt und gibt den Einzelbiografien der Teilnehmer:innen Raum. Der Zeichenstil nimmt Anleihe an der ligne claire und färbt die Szenen in weichen Pastelltönen, was der Story etwas den "Biss" nimmt. Den Figuren werden seltsame (Tier-)Formen verabreicht oder sie werden (wie die Hauptfigur Edith) als teigige, fließende Masse gezeigt, was zu ihren Erschöpfungszuständen und depressiven Phasen passt. Sich den "Challenges" der Arbeitssuche und der Berufswelt nicht mehr aussetzen zu wollen, mag für die Gen Z einen Nerv treffen. Dies noch dazu in eine Mediensatire zu kleiden, zielt auf eine breitere gesellschaftliche Themen-Palette: Konkurrenzdruck, Burnout, Work-Life-Balance sind hier die Stichpunkte, die in diesem Comic angerissen werden. Über die Arbeitswelt als "Reality-Gameshow" darf aber auch bitter-süß gelacht werden!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich will nicht arbeiten
Nele Jongeling
Reprodukt (2026)
301 Seiten : farbig
kt.