Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
Nr. 104 – so wird der etwa dreijährige, elternlos aufgefundene Junge 1945 in dem katholischen Kinderheim angesprochen. Man hat ihm auch einen Namen gegeben: Hartmut Willeisky. Er ist verschüchtert und stumm, weshalb man ihn für geistig behindert
hält. Später wird man auch Medikamente an ihm testen. In den Heimen herrscht ein unbarmherziges Regiment der Nonnen, voller Strafen und Zucht. Hartmuts Glück ist, dass sich die ältere Waise Margret um ihn kümmert, ihn nach eigenen Schicksalsschlägen aus dem Heim befreit und immer beschützt. Die beiden heiraten, bekommen eine Tochter, später auch Enkelin und Urenkelin. Aber über ihre Zeit als Heimkinder sprechen sie nie. Dieses Schweigen lastet schwer auf ihrer Tochter Sabine, der Enkelin Julia und der Urenkelin Emily. Susanne Abel erzählt in diesem zutiefst bewegenden Roman nicht nur die Geschichte der beiden Kriegskinder, sondern im Wechsel dazu auch die Erlebnisse von Emily und ihrer Mutter Julia. Dadurch wird deutlich, welche Folgen das Verschweigen erlebter Traumata auch für die nachfolgenden Generationen hat. Vera Teltz liest den Roman einfühlsam vor und lässt beim Hören das Geschehen plastisch vor Augen treten. Zu Recht beginnt das Hörbuch mit einer Triggerwarnung und dem Ratschlag, über verstörende Inhalte mit einer vertrauten Person zu sprechen. Unbedingt empfehlenswert für alle, die sich mit Zeitgeschichte auseinandersetzen möchten.
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
Susanne Abel ; gelesen von Vera Teltz
Hörbuch Hamburg (2025)
2 mp3-CDs (circa 905 min)
mp3-CD