Capa
Robert Capa gehört zu den bedeutendsten Fotografen des 20. Jh. Seine Aufnahmen vom spanischen Bürgerkrieg, vom D-Day in der Normandie und vom Indochina-Krieg haben der Welt eindrückliche Bilder dieser Konflikte geliefert. Verantwortlich dafür war
Capas unmittelbare Perspektive: der Fotograf befand sich meist mitten im Geschehen, was dem Betrachter eine direkte Anteilnahme an den Kampfhandlungen suggeriert. So unstet wie sein Berufsleben war er auch im Privaten. Als Heimatloser zog er von Auftrag zu Auftrag, bewegte sich zwischen Militärs, dem Jet-Set und Kriegsopfern. Über den frühen Tod seiner Lebensgefährtin, der Fotografin Gerda Taro, kam er nie hinweg. Eine interessante Vorlage für eine Comic-Biografie, sollte man meinen. Leider wird die hier vorliegende Graphic Novel diesem außergewöhnlichen Menschen weder in Text noch Bild wirklich gerecht. Die Illustrationen in Sepia-Tönen reihen sich monoton aneinander. Man vermisst zeichnerische Qualität, was sich besonders in den Portraits bemerkbar macht (so sind die markanten Gesichtszüge der Schauspielerin Ingrid Bergman beim besten Willen nicht zu erkennen). Die Texte sind in kleinen Blöcken auf die Bilder montiert, was häufig zu seltsamen Brüchen führt. Capa selbst, so soll es scheinen, erzählt sein Leben, aber dies in einer Gemengelage aus gesprochener Sprache und historischem Sachtext, was oft unfreiwillig komisch wirkt. Schade also um das löbliche Ansinnen, Capa im Comic ein Denkmal zu setzen. Für eine erste Begegnung junger Leser wird der Band jedoch ausreichen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Capa
Florent Silloray
Knesebeck (2017)
86 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.