Zusammen wachsen
Die Autorin nimmt das dreißigjährige Jubiläum des Vertrags von Maastricht zum Anlass, über das Zusammenwachsen Europas zu reflektieren. Neben eigenen Gedanken kommen knapp 40 Menschen in ebenso vielen Kapiteln zu Wort, die als Bewohner des Dreiländerecks
Österreich-Tschechien-Deutschland eigene Erfahrungen zum Leitmotiv des Buchs teilen. Mittendrin in Europa und dabei Grenzlandbewohner, erzählen die meist dem künstlerischen Milieu Zugehörigen von ihren Projekten, Lebensthemen und Ideen, meist im Kontext einer persönlichen Vision von Europa. Illustriert wird das Buch von Bildern des Fotografen Florian Eichinger. Der Reiz des Werks liegt wohl in seiner Unentschiedenheit. Aufmachung und Tonlage erinnern an ein Kunstprojekt, die Sympathiebekundungen für Europa wirken ehrlich, wenn auch häufig verklärend oder zuweilen gar entrückt. Der Waldcharakter der Region ist mal Synonym für Weltferne und Askese, dann wieder schimmern mythische Einsprengsel durch. Eine klar umrissene Zielgruppe an Lesern ist schwer auszumachen. Wer Europa mit dem Herzen sucht, gerne farbenfrohe Geschichten über Künstlernaturen liest oder auch den Wald als Seelenoase schätzt, wird hier fündig.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Zusammen wachsen
Alexandra von Poschinger
Knesebeck (2023)
223 Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
kt.