Der verwunschene Wald
Bei der Suche nach ihrem entlaufenen Hund entdeckt Poppy ein naturbelassenes Waldstück. Sie trifft auf Rob, einen Jungen ihres Alters, der sich hier wie zu Hause fühlt. Rob erkennt Vogelstimmen und weiß, Tierspuren zu deuten. Durch ihn lernt Poppy,
die Geduld aufzubringen, sich auf die ihr so fremde Welt der Flora und Fauna einzulassen. Mit den Augen der beiden Jugendlichen erkunden auch die Betrachter dieser Graphic Novel das Areal der sich überlassenen Natur. Inmitten der Stadt ist dies wahrlich ein geheimnisvoller, beinahe magischer Ort, dessen Reize in jedem Panel ausgespielt werden. Das Wurzelwerk, das verschlungene Geäst der Bäume und Sträucher, sich öffnende Blütenkelche, die Muster des Vogelkleids – in den warmen Tönen der Schwarz-Weiß-Zeichnungen schließen sich die Detailaufnahmen zu einer funkelnden Gesamtschau einer anderen Welt zusammen. Und auch die Geräusche des Waldes, der Vogelgesang und das Blätterrascheln lassen dieses Erlebnis erfahrbar werden. Poppy spürt, dass ihre Beobachtungsgabe geschult wird und dass diese Eindrücke sie verändern. Auch deshalb sucht sie den Wald wieder und wieder auf, was auch ihre Freundschaft zu Rob festigt. Der Autor spricht im Nachwort von "flüchtigen Eindrücken in eine andere Welt". Es gelingt ihm mit dieser Arbeit bestens, in uns den Wunsch zu erwecken, sich dieser Welt mit staunenden Blicken anzuvertrauen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der verwunschene Wald
Kengo Kurimoto
Knesebeck (2024)
213 Seiten
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10