Europa, die EU und ich
Die EU ist ein kompliziertes System, von den einen mythisch verklärt und doch von vielen kritisch beäugt, auf jeden Fall spürbar in den Alltag der EU-Bürger hineinwirkend. Wie nähert man sich dieser Institution, macht sie verständlich und greifbar?
Der französische Zeichner Antoine Angé, Künstlername Kokopello, reiste zwei Jahre lang durch Länder der EU, besuchte ihre Institutionen in Straßburg und Brüssel und verarbeitet seine Erlebnisse als Comic, pardon, "Graphic Novel". Herausgekommen ist eine im Grundton ironische, dabei durchweg informative Episodensammlung. Das wird im Titel des französischen Originals noch deutlicher: "Der Turm zu Babel. Reisen ins Herz des großen europäischen Basars". Sprachduktus und Linienführung der Zeichnungen wirken locker, zuweilen nonchalant, und wenden sich tendenziell an eine jüngere Leserschaft. Das sollte nicht zur Annahme verführen, Kokopello hätte ein literarisches Pendant zu Streetfood vorgelegt, das man quasi nebenbei "snackt". Viele Geschichten wollen aufmerksam verfolgt werden; ein abschnittsweises Lesen mit angemessener Verdauungsphase im Anschluss ist angeraten. Gelegentliche Klischees der Europäer über einander – der Deutsche trägt schon mal Pickelhaube und französische Politiker halten sich für Wiedergänger Napoleons – wirken ein wenig aus der Zeit gefallen. Ansonsten wird Kokopello seinem Anspruch als Investigativjournalist mit distanziertem Blick durchweg gerecht. – Unterhaltsames und informatives Einstiegswerk, gerade für Mittel und Oberstufe.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Europa, die EU und ich
Kokopello ; aus dem Französischen von Sarah Pasquay
Knesebeck (2025)
191 Seiten : farbig
kt.