Oh Gott!
Schon in den steinzeitlichen Kulturen entwickelte sich offenkundig ein Glaube an etwas Übernatürliches, um ansonsten unerklärliche Geschehnisse in der Lebensumwelt der damaligen Jäger und Sammler zu erklären. Bestimmte Rituale entstanden und einzelne
Personen entwickelten Fähigkeiten, mit dem Übersinnlichen in Kontakt zu treten. Spätestens mit der Sesshaftwerdung des Menschen, z. B. im fruchtbaren Halbmond des Vorderen Orients, entstanden konkretere Gottesbilder und pantheistische Gottesvorstellungen, in späterer Zeit etwa im heutigen Persien und zeitweise in Ägypten auch erste monotheistische Religionen. In der vorliegenden Graphic Novel spannt der Autor, ein französischer Soziologe und Schriftsteller, einen weiten Bogen von diesen religionsgeschichtlichen Anfängen über die Entwicklung und Herausbildung der großen Weltreligionen bis in die jüngere Vergangenheit der religionskritischen Ära der europäischen Aufklärung und des neuzeitlichen Atheismus sowie dem Wiedererstarken des Religiösen in der Gegenwart. Auch wenn die Geschichte vorrangig aus einer abendländischen Perspektive erzählt wird, ist der Autor bemüht, Gottesbilder anderer, etwa der fernöstlichen Kulturen, mit zu berücksichtigen. Die mit farbigen, teils witzigen Illustrationen ausgestattete Erzählung wird – und das gibt dem Sachbuch eine besondere Note – aus der Perspektive Gottes selbst erzählt. Sie richtet sich somit in gleicher Weise an Lesende, die an Gott glauben und solche, die das nicht tun. – Diese religionsgeschichtliche Bilderzählung kann daher überall gut angeboten werden.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Oh Gott!
Idee: Frédéric Lenoir ; Szenario: Anne-Lise Combeaud und Frédéric Lenoir ; Illustration: Anne-Lise Combeaud ; aus dem Französischen von Antje Riley
Knesebeck (2025)
223 Seiten : farbig
fest geb.