Singapur im Würgegriff
Ende der 1930er Jahre sind britische Handelshäuser in Singapur auf dem Gipfel ihres Erfolgs. Dazu gehört auch die Fa. Blackett & Webb, die mit Reishandel und Kautschukanbau bestens situiert ist. Walter Blackett ist nun Chef des ganzen Unternehmens,
nachdem sich der alte Webb aus Altersgründen zurückgezogen hat. Webbs Sohn Matthew, der als Mitarbeiter des Völkerbundes in Genf in der Welt unterwegs ist, wird nach Singapur beordert, damit die Eigentumsverhältnisse geklärt werden können. Walter Blacketts Sohn Monty ist ein Nichtsnutz, der nur seine teils abartigen Vergnügungen im Kopf hat. Blackett trachtet daher, seine Tochter Joan mit dem jungen Webb zu verheiraten. Das klappt aber nicht. Zunehmend gibt es auch Differenzen, weil Blackett die Vorstellungen Matthews, was die Behandlung der einheimischen Landarbeiter und Angestellten angeht, überhaupt nicht goutiert. Und als sich die Japaner Anfang 1942 anschicken, die malaysische Halbinsel zu erobern, kommen die bis dato unangefochten herrschenden Engländer zunehmend unter Druck. - Der anglo-irische Autor hat sich intensiv mit dem Untergang des britischen Weltreiches befasst. Mit großer Erzählfreude schildert er die Situation in der Kolonie; beschreibt gekonnt Charakter und Verhaltensweisen der vielen Protagonisten. Viele Eckpunkte sind belegt, aber zu großen Teilen ist es, zumindest was die handelnden Personen angeht, eine fiktive Geschichte. Aber es ist eine sehr gute Geschichte, brillant erzählt, trotz der Länge nie langweilig, im Gegenteil. Es ist ein Buch für ausdauernde Leser; in vielen Büchereien gut einsetzbar. (Übers.: Manfred Allié)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Singapur im Würgegriff
James Gordon Farrell. Mit e. Nachwort von Derek Mahon
Matthes & Seitz (2017)
828 S.
fest geb.