Moby Dick
Der Name des legendären Pottwals Moby Dick ist vermutlich fast allen bekannt. Es geht dabei um die Fahrt des Walfangschiffs Peqoud unter Kapitän Ahab auf der Suche nach dem weißen Wal Moby Dick. Die Besessenheit Ahabs steht in dieser Grafik Novel
im Mittelpunkt. Düstere Zeichnungen lassen den Kapitän wie den Teufel persönlich wirken, der rücksichtslos seiner Rache nachgeht - jener Wal hat ihm ein Bein abgebissen - und Schiff und Mannschaft dem Untergang preisgibt. Auf der anderen Seite stehen der besonnene Steuermann Starbuck, der edle Wilde Queequeg und der Erzähler Ismael, der als einziger den Untergang der Pequod überlebt. Gegen Ahabs Rachsucht kommt jedoch keiner an. Einige Details des Romans sind auf interessante Weise in die Bildsprache übertragen, vor allem die Figur Queequegs, der neben einer natürlichen Einstellung zu Leben und Tod in besonderer Weise humanistische Ideale verkörpert. Stimmungsvoll ist die Farbgebung, keine kolorierten Figuren, sondern Hintergrundfarben: blutrot bei den Kämpfen zwischen Wal und Schiffsmannschaft und düsteres blau-schwarz bei Szenen auf dem Todesschiff. Das erzeugt mehr Emotionen als reine Worte. Die philosophische Symbolik des weißen Wals kommt nicht zur Sprache. Hier sind vor allem die Themen Hass, Rache und Humanismus in eine emotionale Bildsprache übersetzt ohne die langatmigen Passagen des Buches. Für Jugendliche empfehlenswert, die solche illustrierten Erzählungen dem rein geschriebenen Wort vorziehen
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Moby Dick
frei nach dem Roman von Herman Melville. Adaption und Text: Olivier Jouvray. Zeichn.: Pierre Alary
Splitter (2014)
122 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.