Ich habe Abel getötet
In Mesopotamien wird der gläubige Hirte Hamor nach Babylon an den Hof des despotischen Herrschers Nebunezar verschleppt. Der grausame Gottkönig zwingt den friedliebenden Bauern, als Berater in seinem Palast zu bleiben. Mit stets neuen perfiden Untaten
versucht der unbesiegbare Eroberer, eine Attacke Hamors gegen ihn zu provozieren. Erst gegen Ende erfährt man, dass es sich um die Wiederkehr des Bruderstreits von Kain und Abel handelt, die als Gegenspieler wiedergeboren wurden. Die inzwischen fünfbändige französische Comicreihe von unterschiedlichen Autorenteams beschäftigt sich mit fiktiven oder realen historischen Mordfällen wie der Ermordung John Lennons oder dem Attentat auf Herzog Franz Ferdinand. Im ersten Band nehmen sich Autor Le Tendre und Zeichner Sorel des biblischen Bruderzwistes als Allegorie auf die Duldung von Gewalt und den Zeitpunkt für Widerstand an, ohne in einer Geschichte um Versuchung und Erlösung endgültige Antworten liefern zu wollen. Die in düsteren Farben gehaltene Grafik mit einigen großformatigen Schlachtimpressionen erinnert an bildgewaltige Werke von Altmeistern wie Hermann ("Comanche").
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich habe Abel getötet
Serge Le Tendre ; Guillaume Sorel
Splitter (2017)
63 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.