Agnes im Meer
1923 im norddeutschen Dithmarschen: Die blutjunge Agnes kommt als Wirtschafterin auf die kleine Insel Trischen im Wattenmeer. Schnell findet sie sich in dieser ganz eigenen, von der Natur geprägten Landschaft zurecht. Während sie verschiedenen Pächtern
dient, lernt sie die Insel lieben – und auch den sperrigen Vogelwart Walter. Das Leben auf Trischen ist geprägt vom ständigen Kampf gegen Sturmfluten und um Landgewinnung. Doch auch wenn das Leben auf der Insel auf den ersten Blick – auch für Agnes – paradiesisch erscheint: Die Weltpolitik macht auch vor diesem Refugium nicht halt. Die Nationalsozialisten erobern Deutschland und beenden auch die Idylle auf Trischen. Und auf einmal muss Agnes um ihre Schwester Ida bangen, die blind ist und als unwertes Leben gilt. Und als die junge Russin Mascha als eine der Zwangsarbeiterinnen auf die Insel kommt und schwanger wird, ist Agnes' ganze Energie gefordert. Und sie trifft eine ihr eigenes Schicksal völlig ändernde Entscheidung. – Ulrike Dotzer hat, das merkt man beim Lesen, umfassend recherchiert und die Geschichte der kleinen Insel Trischen – die heute nur noch Vogelschutzgebiet ist – seit den 20er Jahren bis zum Ende des 2. Weltkriegs bis ins Detail recherchiert. Doch ihr Roman ist mehr als nur ein Stück literarisch brillant aufgearbeitete Zeitgeschichte. Mit stimmiger Feder zeichnet Dotzer ihre Charaktere und ihre wunderbaren Naturbeschreibungen lassen das Bild Trischens in der ersten Hälfte des 20. Jh. plastisch vor dem Auge des Lesers erscheinen. Absolut lesenswert!
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Agnes im Meer
Ulrike Dotzer
Europa Verlag (2026)
304 Seiten
fest geb.