Das Zimmer der verlorenen Träume
Clover (12) lebt seit dem Tod ihrer Mutter Becky mit ihrem Vater Darren allein. Sie bewegt sich zwischen Gartentätigkeiten und Kontakten zur Nachbarin Mrs. Mackerel, ihrem Großvater, ihrem Onkel und anderen. Doch von ihrer Mutter weiß sie so gut
wie nichts. Die Erwachsenen schweigen sich darüber aus und Clover macht sich ihre eigenen Gedanken. Angeregt durch Museumsbesuche möchte sie eine Ausstellung über ihre Mutter erstellen und beginnt, nach Spuren zu suchen. Wichtigste Quelle ist ein Zimmer, in dem Darren Erinnerungen an seine Frau aufbewahrt. Der Zugang zum Buch ist nicht ganz leicht. Die Personen verschwinden oft in Alltäglichkeiten, Erinnerungs-Bruchstücken und diffusen, banalen Gesprächen. Sie zeichnen sich nur allmählich deutlicher ab. Darren sieht seine Tochter heranwachsen und macht sich Gedanken, wie er mit ihr über das Erwachsenwerden sprechen kann. Als er erkennt, dass Clover schon vieles vom Aufbewahrten aussortiert und weggeworfen hat, beginnt auch er sich mit seinen verdrängten Fragen zu konfrontieren. Das Buch bietet keinen leicht zugänglichen, aber einen interessanten und sich langsam öffnenden Blick auf die Motive menschlichen Verhaltens und Handelns, auf die Liebe und das Erwachsenwerden.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Zimmer der verlorenen Träume
Carys Bray ; aus dem Englischen von Julia Walther
Harper Collins (2020)
350 Seiten
fest geb.