Ministerium für öffentliche Erregung
Ein Musiker haucht seiner alten Liebe neue Lebensgeister ein, eine Unscheinbare bezahlt einen schönen Jungen, damit er sich mit ihr zeigt. Nicht alle der Storys kommen so harmlos daher. Eine Dorfhexe taucht plötzlich bei der Geburt von Zurotul auf,
isst deren Plazenta und prophezeit dem Mädchen, "Menstruationsblut bei Vollmond" werde das Herz ihres zukünftigen Ehemanns erobern. Eine Neunjährige erdrückt ein Küken, weil sie sehen will, wie weit sie gehen kann. - Die Kurzgeschichten von Amanda Lee Koe sind radikal anders, aufrüttelnd und poetisch, immer in lakonischem Ton erzählt. Sei es die umgekehrte postkoloniale Story der Weißen Maria Hertogh, die in Singapur aufgezogen wurde und sich später in den Niederlanden entfremdet fühlt, oder die eines transsexuellen Mobbingopfers in der Grundschule, dessen Geschichte mit dem Meerjungfrauen-Mythos kurzgeschlossen wird. Mit Recht erzielte die junge, in Singapur und New York lebende Autorin mit ihrem Debüt zahlreiche Literaturpreise. Man wünscht ihr für diese erfrischend anderen Geschichten viele Leser. "Öffentliche Erregung" inklusive. (Übers.: Zoë Beck)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Ministerium für öffentliche Erregung
Amanda Lee Koe
Culturbooks (2016)
221 S.
fest geb.