Hamburg Noir
Hamburg - die Elbmetropole gilt seit jeher als bedeutende Handelsstadt, als Tor zur Welt, als Musicalhochburg und Touristenmagnet. Doch Hamburg hat auch noch andere Seiten: Die Millionenstadt ist auch ein Ort der Gestrandeten, der Loser und Enttäuschten,
derer, die auf die schiefe Bahn gekommen sind. Das zeigt der Herausgeber dieses Erzählbandes mit seinen 14 Kurzgeschichten aus der Feder renommierter Autorinnen und Autoren: Da wehrt sich etwa eine vietnamesische Restaurantbesitzerin effektiv, aber nicht legal gegen Schutzgelderpresser. Ein Schüler verliebt sich auf dem Hamburger Volksfest Dom in eine Schaustellertochter und hilft ihr und ihrer Familie auf ebenso strafbare Weise, ihr Schicksal zum Guten zu wenden. Da wird das Schicksal eines Hauses auf der Reeperbahn und seiner Bewohner beschrieben, erzählt, wie eine junge sudanesische Stipendiatin eine verschwundene Frau sucht und dabei neue Freunde findet und vieles mehr. Es sind Kurzkrimis, aber auch Charakter- und Milieustudien, trotz und gerade wegen ihrer Kürze meisterhaft und pointiert erzählt, die Schlaglichter werfen auf das "dunkle Hamburg". Absolut lesenswert, auch wenn man nicht an der Alster wohnt, und deshalb allen Beständen zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Hamburg Noir
Jan Karsten (Hg.)
Culturbooks (2023)
303 Seiten
kt.