Reservoir Bitches
Dieser Rezension sei vorangestellt, dass in Mexiko täglich etwa 10 Frauen ermordet werden. Damit ist Mexiko eines der Länder mit der höchsten Rate an Femiziden in Lateinamerika und lediglich 2 % dieser Morde werden aufgeklärt. 13 mexikanische Frauen
sprechen in diesem Debütroman Leserinnen direkt an, etwa die Teeniemutter, Influencerin, Erbin eines Drogenkartells, Hausfrau, Prostituierte, Kleinkriminelle, Upperclass-Tochter, Näherin, Auftragskillerin. Sie alle erzählen davon, was es bedeutet als Frau im heutigen Mexiko zu leben. Einige leben in extremen Reichtum und den damit verbundenen Privilegien, andere in bitterer Armut. Doch jede von ihnen muss kämpfen, um sich zu behaupten oder auch nur, um zu überleben. Verfolgt wird keine stringente Erzählung, doch beziehen sich einige Kurzgeschichten aufeinander und tragen einen Frauennamen im Titel. Die darin thematisierte Gewalt an Frauen ist schwer erträglich, aber eben auch ein wichtiger Weckruf! Trotz allen Grauens zwischen Vergewaltigungen, Abtreibung, Folter und Morden bewahren de la Cerdas Frauenfiguren ihre Würde und Unbeugsamkeit, manche zahlen mit ihrem Leben. Die Sprache changiert zwischen den Milieus, ist mal mehr, mal weniger derb, grob, schockierend und vulgär. Die verschiedenen Perspektiven der einzelnen Frauen ermöglichen es mir als Leserin, teilweise diese Welt wahrzunehmen und Handlungen zu verstehen, die unter anderen Umständen völlig undenkbar erscheinen. Empfehlenswert als Gesprächsgrundlage zur Situation der Frauen in lateinamerikanischen Ländern. "Reservoir Bitches" steht auf der Longlist des Booker-Prize 2025.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Reservoir Bitches
Dahlia de la Cerda ; aus dem mexikanischen Spanisch von Johanna Malcher
CulturBooks (2025)
182 Seiten
fest geb.