Die rastlosen Jahre
Der Inder Naren Agashe, der in den USA gerade erst seine Greencard erhalten hat, kehrt nach Mumbai zurück – in ein Land, das ihm zugleich vertraut und fremd geworden ist. Seine Freundin, die US-Amerikanerin Amanda, folgt ihm nach Indien. Naren arbeitet
in Mumbai für einen Immobilienkonzern, Amanda ehrenamtlich in einem Slum für eine NGO. Beide kommen zunächst bei Narens Eltern in einer Luxusimmobilie unter. Die zwei treffen dort auf Narens Bruder Rohit, Filmemacher und politischer Aktivist. Die drei zentralen Figuren, an der Schwelle zum Erwachsenenleben, müssen sich in den unterschiedlichen Milieus der Familie Agashe, im Freundeskreis der Brüder sowie in Amandas Arbeitsumfeld für Beruf, Lebensmittelpunkt und Partner entscheiden. – Die indische Autorin zeichnet in ihrem komplexen, literarisch anspruchsvollen Roman ein vielstimmiges Bild des modernen Indien – einer Gesellschaft im Umbruch. Aus den Perspektiven ihrer drei Protagonisten zeigt sie, wie politische und gesellschaftliche Spannungen in das Private hineinwirken und Freundschaft sowie Loyalität belasten. Mit lebendigen Figuren, aber einer anspruchsvollen Sprache und einem teils unübersichtlichen Handlungsgeflecht greift die Autorin Themen wie Nationalismus, Zugehörigkeit und soziale Spaltung auf. Sie macht politische Radikalisierung sichtbar, verliert sich jedoch bisweilen in schwer zugänglichen, sich überlagernden Erzählsträngen und sprachlich überladenen Passagen. Ein anspruchsvoller, analytischer Gesellschaftsroman – geeignet vor allem für politisch interessierte und geduldige Leserinnen und Leser, die literarisch dichte Werke schätzen und sich intensiv mit der Realität Indiens auseinandersetzen möchten.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die rastlosen Jahre
Devika Rege ; aus dem Englischen von Barbara und Stefan Weidle
Culturbooks (2026)
428 Seiten
fest geb.