Ilvie und der weiße Wolf
Nachdem sich ihre Eltern getrennt haben, muss Ilvie mit ihrer Mutter von Berlin aufs Land ziehen, ins verlassene Haus ihrer Großeltern, in einem Kaff namens Einhaus. Ilvie, mittendrin in der Pubertät, verliert mit einem Schlag alles – und fühlt
sich alleingelassen in der Fremde, während ihre Mutter bereits mit ihrem Jugendfreund aus der Nachbarschaft anbandelt! Ausgerechnet ihren 13. Geburtstag soll sie mit Andy, seinem Sohn Lukas und ihrer Mutter fröhlich feiern, obwohl sie sich doch nichts sehnlicher als ihre kleine heile Welt zurückwünscht. In ihrer Verzweiflung läuft sie immer tiefer in den angrenzenden Wald, stürzt und verliert das Bewusstsein. Ein wunderschöner weißer Wolf, von dem sie schon einmal intensiv geträumt hatte und dessen sehnsüchtiges Heulen in ihr eine vertraute Saite zum Klingen brachte, steht plötzlich vor ihr und begleitet sie zurück an den Waldrand "als wäre es das Normalste auf der Welt". Die wundersame Nähe zwischen Ilvie und dem Tier klärt sich auf, als nach einigen Schafsrissen eine Hetzjagd auf den Wolf beginnt und der bis dahin in seinem Altersheim schweigend vor sich hinsiechende Opa Kurt zusammen mit Ilvie und Lukas der Wölfin den Weg in die Freiheit weist. Denn Opa Kurt hatte einst im Verborgenen das verwaiste Wölflein aufgepäppelt, nachdem er zuvor dessen ganzes Rudel – und mit ihm seinen Hass auf die Welt – totgeschossen hatte, wie er seinem Tagebuch und auch Ilvie anvertraut. So finden verletzte Seelen wieder zueinander und für Ilvie (und Opa Kurt) beginnt ein neues Leben inmitten ihres Familienrudels. Eine anrührende, mystisch angehauchte Erzählung von Verlassenheit, Einsamkeit, Trauer um Verlorenes und wie die Sorge umeinander Familie und Freundschaft festigt.
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ilvie und der weiße Wolf
Kristina Magdalena Henn
Karibu (2025)
218 Seiten : Illustration
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10