Eltern beten mit und für ihre Kinder
Beten ist in unserem von naturwissenschaftlichem Denken bestimmten Umfeld keine ganz einfache Sache. Was, wenn es doch nicht mehr als ein veredeltes Selbstgespräch ist? Die Theologin Judith Vonderau stellt deshalb das kindliche Urvertrauen, im Gebet
mit Gott in Kontakt treten zu können, in den Mittelpunkt ihres Buchs. „Kind sein, werden und bleiben vor Gott“, bezeichnet sie als „eine Haltung für das ganze Leben“. Statt sich lange mit Erklärungen aufzuhalten, fasst sie diese Grundhaltung in Gebete: „Vor dir darf ich werden, was Jesus meinte, / als er sagte: ‚wie die Kinder‘, / um den Himmel zu erben. / Kind sein, ich sein, vor dir.“ Für den ersten Teil hat sie Gebete geschrieben, die Erwachsene für Kinder – eigene oder Enkel oder in welchem Verhältnis auch immer – sprechen können. Viele der Gebete sind für Situationen gedacht, in denen das Leben gut ist. Da im Leben aber nicht alles glatt läuft, widmet sich ein eigenes Kapitel den Brüchen. Manchmal, schreibt die Autorin, werde am Ende doch Gutes daraus. Doch kommt es eben auch vor, dass ein solcher Strich durch die Lebensplanung zum Kreuz werde. „Hier kommt uns das ‚Dein Wille geschehe‘ aus dem Vater unser vielleicht nicht mehr über die Lippen.“ Dann, so die Autorin, dürfe man darauf vertrauen, dass gilt, was Gott Josua, dem Nachfolger von Mose, zugesagt hat: Der „Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist“ (Josua 1,9). Und weil das in so einer Situation vielleicht nicht ganz einfach ist, fasst sie diese Zusage noch mal in ein hoffnungsvolles Gebet: „du bleibst / wenn nichts mehr steht und alles fällt / wenn die Welt nicht mehr in den Angeln hängt / wenn unter meinen Füßen kein Boden mehr ist / wenn mich sonst keiner hält / du bleibst“. Der zweite Teil des Buches ist Kindern gewidmet und enthält zuerst eine kurze, kindgerechte Einführung ins Gebet, von der Erwachsene und Kinder gleichermaßen profitieren können. Sie vermittelt: Gott kann ich alles sagen – immer. Und zum Beten muss man auch nicht stillsitzen. Daran schließen sich Gebete an zu verschiedenen Anlässen (für den Morgen und den Abend, Dankgebete, Tischgebete, zur Versöhnung, bei Krankheit und Sorgen), die Kinder gemeinsam mit Eltern (oder anderen Erwachsenen) beten können, ältere Kinder vielleicht auch allein. Wohltuend ist hier wie im ganzen Buch, dass auch die Schwierigkeiten, in die die Gottesbeziehung geraten kann, nicht ausgespart werden: „Es fühlt sich dann so an, als wärst du gar nicht da. / Lass mich immer daran denken, dass du bei mir bist, auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.“ Außer den Gebeten, die Vonderau für die Lebenswelt von Erwachsenen und Kindern formuliert hat, stellt sie auch die wichtigsten Gebete der Kirche vor, allen voran das „Vater unser“, außerdem u.a. das Glaubensbekenntnis, Psalm 23 und das „Gegrüßet seist du Maria“. Dieses Gebetbuch kann dazu beitragen, Kinder in eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott hineinwachsen zu lassen und sei deshalb Familien ans Herz gelegt, z. B. als Geschenk zur Taufe oder zur Erstkommunion. (Religiöses Buch des Monats Juni)
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Eltern beten mit und für ihre Kinder
Judith Vonderau
camino. (2026)
144 Seiten : Illustrationen
fest geb.
Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats