Emma und Amir
Sie scheinen zufällig parallel die gleichen Schwimmbäder in Berlin aufzusuchen: der Grafiker Amir mit irakischen Wurzeln und die angebliche Reiseleiterin Emma. Ein vermeintlich islamistisches Attentat, das Amirs Freund Yusuf begangen haben soll,
lässt Amir verdächtig erscheinen. Um der Verfolgung durch die Polizei zu entgehen, versteckt er sich. Emma, die dabei seinen Weg kreuzt, nimmt er zunächst spontan als Geisel. Sie fliehen gemeinsam nach Paris, um dort Beweise für Yusufs Unschuld zu finden, und kommen sich näher. Yusuf hat als Journalist eine gefährliche politische Bewegung entdeckt, die nun auch Emma und Amir bedroht. – Der sehr gelungenen ruhigen Paralleleinführung der beiden Hauptpersonen folgt eine atemlose Jagd durch Berlin und Paris in Screwball-Komödienmanier mit immer neuen, manchmal nicht ganz glaubhaften Überraschungen in der Entwicklung des Plots. Dies nimmt dem Ernst der behandelten Themen rechtsextremer Verschwörung, politischer Umsturzpläne, Generalverdacht bei Migranten und Gewalt die Schärfe. Schaalburg bedient sich witziger Dialoge und der Einbeziehung cineastischer Werke. Farbenfrohe, teils sehr detailverliebte, aber auch aufs Wesentliche reduzierte Zeichnungen mit wenig Text überzeugen und spiegeln Szenario und Stimmungen wider. – Eine Graphic Novel am Puls der Zeit, in der positive zwischenmenschliche Beziehungen über negative Entwicklungen dominieren. Ab mittleren Beständen einsetzbar.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Emma und Amir
Bianca Schaalburg
Verlagshaus Jacoby & Stuart (2025)
157 Seiten : farbig
fest geb.