Die Zeit des Captain Brett
Der 12-jährige Hieronimus muss einige Zeit bei seinem seltsamen Onkel in dessen Villa verbringen. Auf seine Streifzüge durch die unbekannte Stadt gerät er in die Fänge von Piraten. Ihr Anführer, Captain Brett, hat offenbar noch eine alte Rechnung
mit seinem Onkel zu begleichen. Befreit kann er sich dem gruseligen Ruf nach Abenteuer und Freiheit nicht entziehen. Noch zweimal gerät er in den Bann von Captain Brett. Während dieser Begegnungen gerät die Welt zunehmend aus den Fugen – nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. Hieronimus weiß nicht mehr sicher, was Wirklichkeit und was Fantasie ist. Wer ist Captain Brett? Ist er trotz seiner furchteinflößenden Erscheinung vielleicht ein Guter – oder doch ein Böser? Und ist das alles überhaupt wirklich geschehen, oder sind es Traumgespinste, entstanden aus lähmender Langeweile? – Diese Fragen lassen sich bis zum Schluss nicht eindeutig beantworten. Gerade darin liegt der Reiz dieser außergewöhnlichen Geschichte. Die dichte Sprachatmosphäre wird von meisterhaften Zeichnungen begleitet. Das Buch entzieht sich einer eindeutigen Zuordnung zu einem gängigen Genre und ist vor allem ein Initiationsroman, in dem sich die Wildheit und Ungebundenheit der Kindheit noch ausleben lässt. Ein brillantes Gesamtkunstwerk, in dem Sprache, Stil, Graphik, Material und Ausstattung auf besondere Weise zusammenspielen. Einzig Klappenbroschur und Schutzumschlag erschweren die Eignung für Büchereibestände. Dennoch: Für alle ab 10 Jahren.
Manuela Hantschel
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Zeit des Captain Brett
Blexbolex ; aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Verlagshaus Jacoby & Stuart (2026)
[unpaginiert] : farbig
kt.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10