So klug ist der Wald
Der französische Botaniker Francis Hallé (1938-2025) war ein engagierter Kämpfer für den Erhalt oder die Ermöglichung naturbelassener Wälder auf der ganzen Welt. In diesem als Graphic Novel dargebotenen Sachbuch führt er die Lesenden in fiktiver
Begleitung des antiken Philosophen Aristoteles durch den Lebensraum Wald. Nach Auffassung Hallés ist nämlich dessen Lehre von verschiedenen Reichen der unbelebten und belebten Natur (Mineralien, Pflanzen, Tiere und Mensch) verantwortlich für einen bis heute vorherrschenden Anthropozentrismus und die oftmals hemmungslose Ausbeutung der Schätze der Natur durch den Menschen. Deshalb zeigt er Aristoteles das vielfältige ökologische Zusammenspiel und die überraschenden Fähigkeiten von Bäumen und anderen Pflanzen sowohl in den heimischen mitteleuropäischen als auch in tropischen Wäldern. Er wendet sich dabei gegen eine industriell anmutende Forstwirtschaft mit Baum-Monokulturen und tritt engagiert für den Erhalt oder die Schaffung von Naturwäldern ein; sein Lieblingsprojekt war ein großer Naturwald im deutsch-französischen Grenzgebiet, der seinen Endzustand in ca. 700 Jahren erreichen könnte. Der Sachcomic ist mit teils großformatigen, durchweg farbigen Abbildungen illustriert, wobei vom Zeichner die phänotypische Vielfalt der Waldpflanzen nur ansatzweise wiedergegeben wird. Durch den fiktiven, aber wohl typisch französischen Rückgriff auf ein philosophisches Zwiegespräch bietet das Buch einen originell anderen Ansatz für ein Anliegen, das in Deutschland auch Peter Wohlleben mit seinen Sachbüchern vertritt. Möglich in großen Sachbuchbeständen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
So klug ist der Wald
Szenario und Dialoge: Vincent Zabus, Francis Hallé ; Zeichnungen: Nicoby ; aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Verlagshaus Jacoby & Stuart (2026)
109 Seiten : überwiegend farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 12