Hunger
Ein mittelloser Schriftsteller versucht sich in Kristiana, dem heutigen Oslo, durchzuschlagen. Nachdem er seine Mietswohnung verliert, muss der junge Autor mitunter im Park übernachten und verkommt zusehends. Kleinen Erfolgen mit der Publikation erster
Artikel stehen wiederholte Rückschläge gegenüber. Die Bekanntschaft mit einer alleinstehenden Frau führt angesichts beider Unsicherheit ebenfalls nicht weiter. In vier Kapiteln adaptierte der in Berlin lebende norwegische Zeichner Martin Ernstsen Knut Hamsuns autobiografisches Debüt von 1890, das ihm zum Durchbruch verhalf. Um die Sicht des Protagonisten zwischen Scham, Verzweiflung, trügerischer Hoffnung und Irrsinn zu verdeutlichen, greift Ernstsen zu unterschiedlichen Stilmitteln. Teils verzichtet er auf eine Bildumrandung, wechselt zwischen kleinen Panels und Tableaux, verwandelt den realistisch angelegten Protagonisten zur Cartoonfigur oder zum Tier, setzt bei Traumsequenzen farbige Passagen ein oder baut auf surreale Eindrücke. Damit findet er eindringliche, adäquate Impressionen für den im Roman angelegten Bewusstseinsstrom.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Hunger
nach dem Roman von Knut Hamsun ; Adaption und Zeichnungen: Martin Ernstsen ; aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger
avant-verlag (2019)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.