Sweet Salgari
Emilio Salgari (1862-1911) war im ausgehenden 19. und frühen 20. Jh. ein sehr erfolgreicher italienischer Jugendbuchautor, dessen Werke auch in Deutschland gelesen wurden. Als italienischer "Karl May" erfand er Abenteuer in exotischen Ländern, die
er selbst nie kennengelernt hatte, da er zeitlebens Norditalien nicht verlassen hat. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, stand er unter dem Druck, seinem Verlag vier Romane jährlich liefern zu müssen. Als seine Frau an einer Geisteskrankheit litt und er selbst zu erblinden drohte, setzte er seinem Leben durch Selbstmord ein Ende.- In skizzenhaften Schwarz-Weiß-Zeichnungen erzählt Paolo Balieri die Lebensgeschichte des Emilio Salgari auf drei Handlungsebenen: Als roter Faden der letzte Tag seines Lebens. Salgari hat sich als Spaziergänger angekleidet, hat drei Abschiedsbriefe und ein Rasiermesser in seinen Taschen, mit letzterem begeht er in einem einsamen Waldstück Harakiri und wird einen Tag später tot aufgefunden. Dazwischen eingestreute Episoden aus seinem Lebensverlauf und zu Beginn der Kapitel Textauszüge aus seinen Romanen, die mit oftmals großformatigen Bildern der Gegenwart seiner italienischen Lebenswelt an der Wende zum 20. Jh. unterlegt sind. Diese biografische Graphic Novel kann ausgebaute und anspruchsvollere Sammlungen grafischer Literatur in Büchereien bereichern.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Sweet Salgari
Paolo Bacilieri ; Übersetzung aus dem Italienischen von Myriam Alfano
avant-verlag (2020)
170 Seiten
fest geb.