Pfostenloch

Eli, Marco, Isi und Ingo gehören einem Grabungsteam an. Einige von ihnen studieren Archäologie, für andere ist die Grabung ein gut bezahlter Job. Die letzte Woche des Grabungsprojekts ist angebrochen. Sensationsfunde sind nicht mehr zu erwarten, Pfostenloch vielmehr sind alle mit Abschlussarbeiten und mit vagen Projekten für die Folgezeit beschäftigt. Was den Alltag der jungen Archäologen prägt, ist ganz banaler Natur: die Mücken im Zelt, Zaungäste am Grabungsfeld, Zwistigkeiten unter Kollegen, eintönige Mahlzeiten. Mit wie viel Witz man solche Belanglosigkeiten aufladen kann, wird in dieser preisgekrönten Graphic Novel vorgeführt. Die Dialoge während der Raucherpausen und die Gedankenschleifen beim Verstauen der Fundstücke treffen den Punkt oder sie laufen ins Leere - in jedem Fall nähern sie sich einem Bewusstseinsstrom an, dessen Höhen und Tiefen man bei der Lektüre verfolgt. Dazu kommen die Zeichnungen: wir erleben plumpe Gestalten bei ihrem Tagwerk, die sich durch die Panels schleppen. Sie erinnern an das Personal von Cartoons, an dessen verschrobenes Aussehen man sich auch schnell gewöhnt. Die Grabungslöcher lassen manchmal metaphysische Erkenntnisse aufblitzen, die jedoch von den Banalitäten des Arbeitsalltags bald wieder gefüllt werden - die Autorin, eine ausgebildete Archäologin, weiß sehr genau, wovon sie erzählt!

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Pfostenloch

Pfostenloch

Daniela Heller
avant-verlag (2022)

119 Seiten : teilweise farbig
kt.

MedienNr.: 612445
ISBN 978-3-96445-078-4
9783964450784
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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