Life Bizarre - Vita Obscura
Nach einem ersten Querformatband von 2014 (in BP/mp nicht besprochen) legt Simon Schwartz die Fortsetzung mit „Vita Obscure“-Arbeiten vor, die ab 2019 im großformatigen „Frankfurter Allgemeine Zeitung“-Magazin erschienen. Zuvor wurde die Reihe
um unglaubliche Lebensgeschichten bis 2016 im „Freitag“ veröffentlicht. Deren letzte 14 Folgen enthält das neue Buch ebenfalls. Der Comiczeichner und Illustrator, dessen Prägung durch die Kinderzeitschrift „Mosaik“ weiterhin erkennbar ist, verzichtet meistens auf Sprechblasen. Vielmehr platziert er den Text unter den rund um einen grafischen Fokus arrangierten Panels. Dabei passt Schwartz die Grafik zwischen Collage, Bleistiftzeichnung, Bilderbogen, psychedelischem Trip, Schauercomic, Gebrauchsanweisung oder Glasfensterstil dem jeweiligen Sujet an. Manche der Porträtierten wie die „unwürdige Greisin“ Lotti Huber, Fotografin & Model Lee Miller, Transperson Charlotte von Mahlsdorf, Zirkusdirektor P.T. Barum oder „Mickey Mouse“-Erfinder Up Iwerks sind noch populär. Andere Personen, etwa Menschen in den Rollen des anderen Geschlechts, entreißt Schwartz dem Vergessen. Ein fünfseitiger Comic dreht sich um den Raub der Goldenen Tafel von 1698. Seine originellen Biografien belegen, dass Schicksal und Menschheit nicht immer gerecht mit manchen Leistungen und Errungenschaften umsprangen. Rassismus und Genderungerechtigkeit kommen ebenso mehrfach zur Sprache.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Life Bizarre - Vita Obscura
Simon Schwartz
avant-verlag (2022)
93 Seiten : farbig
fest geb.