Unter rotem Staub
Yuendumu ist eine kleine Siedlung im wüstenhaften Northern Territory Australiens, ca. 300 km nordwestlich von Alice Springs. Dort leben vor allem Warlpiri-Aborigines, von denen viele in einer bekannten Künstlerkolonie tätig sind. Auf seinem Trail
durch den Outback Australiens im Jahre 2012 gelangt der deutsche Comiczeichner und Buchillustrator Jan Bauer erstmals in diese Siedlung. Mit der Zeit lernt er die fremde Kultur und Gebräuche der an das Überleben in einer kargen Umwelt angepassten Ureinwohner Australiens besser kennen, erfährt einiges über ihre Mythen und schließt dabei Freundschaft mit Phil. Als er ein Jahr später wieder nach Yuendumu zurückkehrt, ist der erkrankte Phil in Darwin im Polizeigewahrsam verstorben. Auf der Spurensuche nach den näheren Umständen dieses Todes muss er sich mit der jüngeren Geschichte der Unterdrückung und Gewalt gegen die Aborigines durch weiße Siedler im Kampf um knappe Wasserressourcen auseinandersetzen. – All dies schildert der Autor in einer einfühlsamen Comicreportage und es gelingt ihm mit seinen stilistisch unterschiedlichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen sehr gut, sowohl die manchmal trostlose und eintönige, aber immer auch von überraschenden und geschwisterlichen Begegnungen geprägte Gegenwart der ihrer ursprünglichen Lebensweise beraubten Aborigines darzustellen als auch auf geschichtliche Ereignisse der jüngeren Vergangenheit und auf mythenhafte Schilderungen der Traumzeit zurückzublicken. Breit empfohlen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Unter rotem Staub
Jan Bauer
avant-verlag (2023)
246 Seiten
kt.