Hypericum
Die junge Italienerin Teresa hat in Berlin eine Assistentenstelle zur Tutanchamun-Ausstellung ergattert. Als sie zufällig den Punk Ruben kennenlernt, erübrigt sich ihre Wohnungssuche, denn sie zieht zu ihm ins "Tacheles". Ihre Streifzüge durch das
Berlin der 90er-Jahre geraten zur städtebaulichen Zeitreise. Aber ihre kuratorische Arbeit überspringt einen wesentlich größeren Zeitraum. Gleich mehrfach (und sehr mehrdeutig) wird in dieser Graphic Novel mit der Überwindung von Zeit und Raum gespielt, denn als Parallel-Geschichte wird die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun in Szene gesetzt. Doch während sich der Schatz in der Grabkammer heben lässt, treten in Teresas Leben einige unauflösbare Mysterien zu Tage. Diese Geheimniskrämerei verfängt nicht ganz und auch die "amour fou" mit Ruben wirkt etwas aufgesetzt. Die beiden miteinander verwobenen Geschichten leben von den Aquarellen: die Landschaftspanoramen in Ägypten und die Ansichten der Berliner Baudenkmäler fangen in ihrer klaren Schönheit, dem weichen Licht und der architektonischen Präzision viel Atmosphärisches ein. Diese Bilder wirken als "Anker" in dem labyrinthischen Erzählen über die Zeitlosigkeit und Monumentalität von Architektur.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Hypericum
MFIOR ; aus dem Italienischen von Myriam Alfano
AVANT-VERLAG (2023)
141 Seiten : farbig
fest geb.