Jakob Neyder
Es ist ein Ereignis, das Jakob aus der Bahn wirft: Eine Auseinandersetzung mit einem Autofahrer endet mit einer Gewalttat. Fortan fühlt sich der Junge verfolgt. Er kann sich weder seiner Mutter noch seinen Freunden anvertrauen. Eine Tour aufs Land,
die Jakob mit seinem Hund und einem Freund unternimmt, endet im Desaster. In dieser Graphic Novel wird eine Coming-of-Age-Story erzählt, die sich zum Psychogramm eines verstörten und einsamen Jugendlichen entwickelt. Jakobs Straftat war ein beinahe zufälliger Akt aus einer spontanen Laune heraus. Dass er daraufhin unter psychotischen Schüben leidet, mag er als Sühne seiner Schuld begreifen. Doch dass er sich mit niemandem aussprechen kann, hat auch mit der Oberflächlichkeit und der Egozentrik seines Umfelds zu tun; dies wird in den verknappten und zerfaserten Dialogen sehr deutlich. Die Szenen sind atmosphärisch stark aufgeladen: Die erdrückende Sommerhitze, Langeweile und Antriebslosigkeit und die Ödnis des ausgestorbenen Dorfes werden in den Zeichnungen ausdrucksstark eingefangen. Die Figuren werden oft in Nahaufnahme gezeigt, so als könne man in ihren Gesichtern ein Geheimnis entschlüsseln, das es womöglich gar nicht gibt. Es gelingt dem Zeichner, nicht zuletzt durch die perfekte Komposition der Story, bei den Leser:innen einen inneren Film zu evozieren. Die Vor- und Rückblenden, die in unterschiedlichen Farben gehaltenen Kapitel und die Steigerung von Jakobs krisenhaften Zuständen lassen einen seine Geschichte mit Spannung verfolgen, obgleich man das tragische Ende ahnt. Die Abgründe, die diese preisgekrönte Arbeit aufzeigt, mögen einem bestimmten Milieu geschuldet sein; das Scheitern der Hauptfigur jedoch lässt sich als überindividuelles und sehr berührendes Schicksal lesen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Jakob Neyder
Franz Suess
avant-verlag (2025)
177 Seiten : überwiegend farbig
fest geb.