Grün
In einer nahen Zukunft versucht die Natur, durch ein überaus schnelles Pflanzenwachstum die vom Menschen geschaffenen öden Betonwüsten und Siedlungen zurückzuerobern. Außerdem werden immer mehr Babys geboren, bei denen im Gesicht und am Körper
unterschiedliche Pflanzen sprießen, die ansonsten aber kerngesund sind. Und auch ältere Lebende entdecken auf einmal Pflanzenwuchs an einzelnen Körperteilen. Die Medien berichten anfangs erregt über diese globalen Ereignisse. Die einzelnen Menschen, in dieser Graphic Novel exemplarisch durch verschiedene, in Nachbarschaft wohnende und in loser Beziehung zueinander stehende Personen verschiedenen Alters vertreten, reagieren teils ablehnend und protestierend, teils aber auch gelassen auf die ihnen widerfahrende Metamorphose. Denn stoppen lässt sich diese überaus rasant verlaufende Entwicklung ohnehin nicht: Binnen eines Jahres hat die Natur über die Menschheit gesiegt und diese ganz in sich aufgesogen. – Zeichnerisch wird in dieser mit einigen Manga-Elementen durchsetzten Graphic Novel das immer stärker wuchernde Grün zunächst in fein gezeichneten Grauschattierungen innerhalb der schwarz-weißen Panels wiedergegeben. Nur die Bildfolgen im abschließenden, auf jeglichen Text verzichtenden Kapitel, in dem die Natur ihren Sieg errungen hat, werden in angenehmen, Grüntone in den Mittelpunkt stellenden Farben dargestellt. – Trotz der Schönheit dieser Bilder hinterlässt der Schlusspunkt der Science-Fiction-Erzählung beim Lesenden doch ein eher mulmiges Gefühl. Für ausgebaute Bestände.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Grün
Szenario: Patrick Lacan und Marion Besançon ; Zeichnungen: Marion Besançan ; Übersetzung aus dem Französischen: Karen Bo
avant-verlag (2025)
260 Seiten : teilweise farbig
fest geb.