Das Geheimnis der Knochen
Diese Graphic Novel zeichnet auf unterhaltsame und informative Weise in zahlreichen Episoden die Anfänge der Paläontologie nach, einer heute anerkannten naturwissenschaftlichen Disziplin, die sich mit den versteinerten Lebenszeugnissen in Sedimentgesteinen
befasst. Für die Menschen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die oft per Zufall in Steinbrüchen oder Bergwerken auf merkwürdige Versteinerungen stießen, war es angesichts ihrer religiösen Prägung und der wörtlichen Auffassung der biblischen Schöpfungslehre ein schwieriger und weiter Weg zu erkennen, dass solche Funde Zeugnisse von Lebewesen darstellten, die in einer längst vergangenen fernen geologischen Vergangenheit die Erde bevölkert hatten. Besonders Funde der riesigen Dinosaurierarten führten in der britischen und französischen Fachwelt, die sich in dieser Zeit erst mühsam von dem Primat des Religiösen lösen konnte, zu heftigen Fachdisputen. In seiner Erzählung macht der Autor zugleich deutlich, dass Hobbyforscher wie der britische Arzt Gideon Mantell von den damaligen etablierten Naturforschern nicht ernst genommen wurden. Noch mehr mussten Frauen wie etwa die Britin Mary Anning, die an den Klippen der britischen Südküste Dorsets zwei komplette Saurierskelette gefunden und ausgegraben hatte, unter diesem männlichen Standesdünkel leiden, der ihr jegliche Anerkennung verweigerte. – Gerade weil dieser Sachcomic somit Wissenschaftsgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und nicht nur die akademische Gelehrsamkeit berücksichtigt, ein Buch, das zur Anschaffung für etwas ausgebautere Sachbuchbestände auf jeden Fall empfohlen wird.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Geheimnis der Knochen
von Richard Cowdry
avant-verlag (2025)
147 Seiten : farbig
kt.