Der Junker von Ballantrae
Über Jahrzehnte hinweg entzweien Verrat und Intrigen die schottische Familie Durrisdeer. Der Konflikt geht auf eine politische Entscheidung des Vaters zurück, seinen ältesten Sohn James in den Kampf gegen die Engländer zu schicken, während der
jüngere Henri das Familienerbe verwalten soll. Stevensons Roman entwickelt ein hochkomplexes Psychogramm der Familie und spielt auch mit Elementen der Schauerromantik und des Abenteuerromans. Es ist eine unheilvolle Familiensaga, die in dieser Graphic Novel breiteste Darstellung erfährt. Dem Zeichner gelingt es in den Aquarellen, eine düstere atmosphärische Dichte auszumalen und auch die Figuren mit glaubhafter Psychologisierung auszustatten. Eine dramaturgische Straffung hätte der Arbeit gutgetan. Doch überwiegt bei aller Länge der ästhetische Genuss, da die unzähligen kleinen Panels durchweg überzeugend komponiert sind und insbesondere die Porträts das Changieren zwischen Gut und Böse beleuchten. Das 19. Jahrhundert hat die Gattung des Abenteuerromans zur Blüte gebracht, die mit dieser Arbeit eine moderne Verlebendigung erfährt.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Junker von Ballantrae
Hippolyte ; nach dem Roman von R. L. Stevenson
schreiber&leser (2022)
191 Seiten : farbig
fest geb.