Feuer in Berlin
Nah am ersten Band der Krimi-Serie um den Ermittler Bernie Gunther von Philipp Kerr (zuletzt: "Metropolis" – BP/mp 22/112) erleben die Leser:innen Berlin zur Zeit der Olympischen Spiele. Die Stadt feiert Sportler, die nicht dem idealen Menschenbild
der Zeit entsprechen, vorherrschendes Gedankengut wird vor den Augen der Welt vertuscht und mittendrin geschieht der Raubmord an der Tochter eines Magnaten der Metallindustrie und ihrem Ehemann, einem SS-Offizier. Während der Ermittlungen greift der Ex-Polizist Gunther auf die Unterstützung ehemaliger Kollegen zurück und kooperiert sogar notgedrungen mit der SiPo und Gestapo. Der Fall erweist sich als weitaus komplexer und politischer als zunächst gedacht. Warzalas Zeichnungen sind sehr stimmig zum Text und spiegeln ein gelungenes Gesellschaftsbild der 1930er Jahre wider: Kettenrauchen, Alkoholzuspruch, adrette, sehr aufs Äußere fixierte junge Damen, gebilligte und praktizierte Gewalttätigkeit seitens der SS und SA, äußeres Erscheinungsbild der NS-Anhänger. Die vorherrschende Koloration Galopins in Braun- und Sepiatönen unterstreicht die Stimmung dieser Zeit. Strahlende Lichtpunkte setzen die Szenen mit Gunthers weiblichen Bekanntschaften. Klare Formen, Darstellung des Wesentlichen und farblich abgesetzte Hintergrundinformationen prägen diese sehr gelungene Graphic Novel. Für größere Bestände.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Feuer in Berlin
nach dem Roman von Philip Kerr ; Szenario: Pierre Bosserie ; Zeichnung: François Warzala ; aus dem Französischen von Resel Rebiersch
schreiber&leser (2025)
Die Berlin Trilogie ; 1
134 Seiten : farbig
fest geb.