Das Fest des Feuers

Anastazia muss tagein, tagaus unter ihrer schlimmen Erkrankung, derer sie sich voll bewusst ist, enorm leiden, trotzt ihr aber in ihrer positiven Lebenseinstellung: Sie bemüht sich, mit ihren wachen Augen die Welt vom Rollstuhl aus durch kleinste Das Fest des Feuers Beobachtungen und Vermutungen, mit gutem Gespür und viel Fantasie und sogar Witz zu erkunden. Ihr liebevoller Vater hilft ihr mit Kleinigkeiten, wo er nur kann, durchaus humorvoll: "Prinzessin, dein ergebener Diener möchte dir mitteilen, dass das Frühstück fertig ist." Er hat auch die Aufgabe eines Physiotherapeuten übernommen, tut all das, was ihrem Körper und vor allem den Gelenken guttut. Aber er ist auch seiner anderen Tochter, Lucja, eng verbunden. Sie – könnte man meinen – hat es leichter als Anastazia. Aber man erfährt ausführlich, wie schwer es ist, in ihrer leidenschaftlichen Berufung als Balletttänzerin zur Karriere einer Solotänzerin zu kommen. Da gibt es neben traumhaften Glücksmomenten ebenso harte, sogar fürchterliche Momente. – Die beiden Schwestern leben, wie manch einer denken könnte, nicht nebeneinander. Das erfährt man in allen Kapiteln, die aus der Ichperspektive der Protagonistinnen geschrieben wurden. Lucja kann die intelligente, aber sprachlich erheblich eingeschränkte Anastazia vor allen anderen Nahestehenden am besten verstehen, die an den Rollstuhl Gefesselte sitzt in jeder Aufführung, in der die Schwester tanzt, unter den Zuschauern. – Es ist ein im besten Sinne interessantes Buch, von einem kenntnisreichen, einfühlsamen polnischen Autor geschrieben und von Renate Schmidgall hervorragend ins Deutsche übersetzt. Für anspruchsvolle Leser.

Hardy Scharf

Hardy Scharf

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Fest des Feuers

Das Fest des Feuers

Jakub Malecki ; aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
Secession Verlag (2024)

183 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 622554
ISBN 978-3-96639-121-4
9783966391214
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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