Der Ring des Nibelungen
Wie kann es gelingen, Jugendliche an Richard Wagners vierteiligen Opernzyklus heranzuführen? Diese große Heldenerzählung um Machtgier, Treue und Verrat, um Liebe und Selbstaufgabe wird nicht von jedem als 16-stündige Opernaufführung genossen werden
können. Die Wahl einer Grahic Novel als Medium, der Nibelungensage eine Form zu geben, mag als Tribut an die Popkultur zu begreifen sein, doch wird sie Erfolg haben. "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" werden hier als actionreiche Fantasy-Story in Szene gesetzt. Schauplätze und Akteure erscheinen so, wie Wagner sie sich vorgestellt haben könnte: von magischen Kräften umtoste Orte, in denen sich behelmte Helden und bezopfte Heldinnen durchs Feld schlagen. Mit dieser Bildsprache werden Fans von bspw. Marvel-Comics vertraut sein; auch die inhaltliche Nähe zu "Star Wars" mag jungen Leser:innen den Schritt in diese Mythen-Welt erleichtern. Spannend wäre es gewesen, eine tatsächlich zeitgemäße Fassung zu entwickeln. Hier verharrt die große Nibelungen-Familie mit ihren Schwertern, Flügel-Helmen und Fischleibern in der Motivik der Gründerzeit. Gleichwohl: "Der Ring des Nibelungen" gehört zum musikalischen und literarischen Kulturgut, zu dem diese Graphic Novel ein Türöffner sein könnte.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Ring des Nibelungen
nach dem Opernzyklus von Richard Wagner ; eine Comicadaption von P. Craig Russell ; Text von Patrick Mason ; Übersetzung von Stephanie Pannen
cross x cult (2023)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.