Züge kommen nicht vom Weg ab
Züge folgen verlässlich ihren Gleisen – Gedanken dagegen dürfen abschweifen. Von diesem schönen Gegensatz aus lassen Winnie Ang und Marie-Jeanne Broucard Menschen aus aller Welt aus den Fenstern eines Zuges blicken. Erinnerungen, Wünsche, Wörter
und flüchtige Einfälle öffnen auf jeder Doppelseite eine neue innere Landschaft, bis sich die Wege der Reisenden an einem Bahnhof kreuzen. – Die lose miteinander verbundenen Szenen entfalten sich wie Tagträume und laden dazu ein, eigene Gedanken anzuknüpfen und gemeinsam über das Gesehene zu sprechen. Eleni Debo übersetzt diese poetische Reise in eine außergewöhnliche, aufwendig gestaltete Bildwelt. Schablonenartige Flächen, Silhouetten sowie pastellige, überwiegend kühle Farben erzeugen eine schwebende, beinahe surreale Atmosphäre. Text und Bild ergänzen einander kunstvoll und lassen bewusst Raum für unterschiedliche Deutungen. Eine geradlinige Handlung bietet das anspruchsvolle Bilderbuch kaum; gerade sein offener Charakter macht jedoch seinen besonderen Reiz aus. Vor allem ältere Kinder in Begleitung sowie kunstinteressierte Erwachsene können hier viel entdecken. – Eine ungewöhnliche und anregende Bereicherung für größere Bilderbuchbestände.
Elisa Trinks
rezensiert für den Borromäusverein.
Züge kommen nicht vom Weg ab
Winny Ang, Marijn Brouckaert ; Illustrationen: Eleni Debo ; übersetzt aus dem Niederländischen von Weronika M. Jakubowska
Carl-Auer Kids (2026)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 6