Das Haus der Goldmanns
Als Britta endlich einen Job bei einer Hamburger Immobilienfirma bekommt, erreicht sie mitten in der Nacht ein Anruf aus München. Ihre Mutter wurde verwirrt an einer S-Bahn-Station aufgegriffen. Bisher hatte Britta wenig Kontakt zu ihr, muss aber
als einzige Tochter nun Verantwortung übernehmen. Sie fliegt nach München, organisiert Arzttermine und erhält die ernüchternde Diagnose: Alzheimer. Sie selbst ist an Hamburg gebunden und engagiert deshalb eine Pflegerin für die Mutter. Doch das endet im Chaos. Sie will nun einen festen Heimplatz für sie suchen. Dazu benötigt Britta verschiedene Dokumente, die zunehmend Fragen aufwerfen. Wie kamen die an sich mittellosen Großeltern zu dieser riesigen Villa in Bogenhausen? Wer waren die Vorbesitzer? Die Mutter kann oder will dazu keine Auskunft mehr geben. In Rückblenden erfährt der Leser, dass Brittas Großmutter bei der jüdischen Familie Goldmann arbeitete, der Großvater aber ein glühender Nazi war. Dass sich die Großmutter in David Goldmann verliebte und von ihm ein Kind, Brittas Mutter, bekam. Um nach der Hitlerzeit zusammen in der Villa leben zu können, verkaufte David sie vorerst für wenig Geld an die Großeltern. Doch alles kam anders. David wurde deportiert und umgebracht. Britta kann nach dem Tod der Mutter die Steuer für das inzwischen einige Millionen teure Objekt nicht aufbringen. Aus Respekt David und seiner Familie gegenüber will sie es aber auch nicht verkaufen und überführt es deshalb in eine soziale Stiftung. – Spannend erzählt und mit viel Zeitkolorit versehen, führt dieses Buch den Leser zurück in die dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte. Für alle Büchereien geeignet!
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Haus der Goldmanns
Claudia Kaufmann
Ultraviolett Verlag (2025)
348 Seiten
kt.