Gorbach
Mit offensichtlich autobiografischem Hintergrund gibt der Autor, der auch als Altenpfleger und Veranstaltungstechniker tätig ist, Einblicke in das Leben "gezeichneter" Personen: eine nach Deutschland geflüchtete Mutter mit zwei kleinen Kindern, von
diversen Süchten beschädigte und abhängige Jugendliche und Erwachsene, Angehörige Schwerstkranker und tragisch Gestorbener sowie die Polizistin, die mit den Folgen eines korrekten Einsatzes nicht klarkommt. Zwar hat sie anderen das Leben gerettet, aber der von ihr Verfolgte sitzt jetzt querschnittgelähmt im Rollstuhl. Die "Normalen", diese Benachteiligten umgebenden Menschen, kommen nicht gut weg. Ihnen "rutscht das Lächeln aus dem Gesicht", wenn ihre gut gemeinte Hilfe nicht ihrem Selbstverständnis entsprechend angenommen bzw. sogar abgelehnt wird. Die einzelnen Geschichten stehen scheinbar unvermittelt nebeneinander und sind dennoch atmosphärisch und am Ort der Handlungen, Gorbach, vielleicht einer Kleinstadt im Ruhrgebiet, miteinander verwoben. – Die Lebenssituationen, die derbe Sprache, die Vorbehalte gegen helfende Deutsche machen es Lesenden schwer. Der spannend geschriebene Reportageroman konfrontiert mit Realitäten und gesellschaftlicher Hilflosigkeit. Konfrontationsbereitschaft kann Empathie fördern. – Für größere Bestände, geeignet für Literaturkreise.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gorbach
Hank Zerbolesch
Steidl (2024)
189 Seiten
fest geb.